Главная страница «Первого сентября»Главная страница журнала «Немецкий язык»Содержание №19/2009

Sonderthema

Rezeption und Nachwirkung

Dichter und Dramatiker des 16.–18. Jahrhunderts
Im 16. und 17. Jh. haben zwar zahlreiche Chronisten Agnes Bernauer einer Erwähnung für würdig befunden, dichterische Bearbeitungen des Bernauerstoffs aus dieser Zeit sind jedoch recht selten. Gesichert ist lediglich ein Meisterlied von Hans Sachs aus dem Jahr 1546 mit dem Titel Die ertrenkt Jungfrau.
Der erste Autor, der mit einer Bernauer-Dichtung ein größeres Publikum erreichte, war wohl der schlesische Lyriker Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, der in seinen 1680 postum veröffentlichten Helden-Briefen die Liebe Zwischen Hertzog Ungenand und Agnes Bernin als Briefwechsel darstellte. Erst fast ein Jahrhundert später wurde es von dem Augsburger Patrizier Paul von Stetten in seiner Verserzählung Siegfried und Agnes wieder aufgegriffen.
Dem 1781 in Mannheim uraufgeführten Trauerspiel Agnes Bernauerin von Joseph August von Toerring blieb es vorbehalten, um die Wende vom 18. zum 19. Jh. eine regelrechte Schwemme an Dramatisierungen des Bernauerstoffs auszulösen. Anders als seine Vorgänger legte Toer­ring Wert darauf, Ort und Zeit der Handlung sowie die Namen der handelnden Personen korrekt anzugeben. Das anonym erschienene Stück konnte in Toerrings Heimatstadt München zunächst nicht aufgeführt werden.
In anderen deutschen Städten wurde Toerrings Agnes Bernauerin dafür umso erfolgreicher auf die Bühne gebracht. Die zeitgenössischen Kritiker beurteilten Toerrings Trauerspiel einhellig positiv, lediglich Anton von Klein monierte in seiner Rezension der Mannheimer Uraufführung die Verletzung der drei Einheiten des Aristoteles und die Verwendung von Prosa statt Versen.

Historiker des 18. Jahrhunderts
Für die Historiker, die sich im 18. und 19. Jahrhundert mit Bayern und seiner Geschichte beschäftigten, blieb Agnes Bernauer sowohl vor als auch nach Toerring ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Werke.
Die Autoren der nächsten Jahre stützten sich auf Aventin und beschränkten sich in der Regel auf eine kurze Beschreibung der Ereignisse im Stil der frühneuzeitlichen Chronisten.
Wesentlich ausführlicher als seine Vorgänger setzte sich Johann Heinrich von Falckenstein mit Leben und Tod der Bernauerin auseinander.
Wie Falckenstein ging auch Lorenz von Westenrieder in seinen Schriften zur bayerischen Landesgeschichte auf Agnes Bernauer ein und schrieb ihr zahlreiche positive Eigenschaften zu.
Der erste Versuch einer wissenschaftlichen Agnes-Bernauer-Biografie stammte von Felix Joseph Lipowsky. Er wertete zwar zahlreiche Quellen aus, zitierte sie aber nicht immer korrekt und ließ auch viel Raum für die eigene Fantasie. Viele nur aus knappen Notizen der Chronisten bekannte Ereignisse ergänzte er um erfundene Details. Der Bernauer-Historiker Werner Schäfer urteilte 1995: «Die historische Abhandlung geriet fast zu einem Roman, zu einem streckenweise recht schwülstigen obendrein.»

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Agnes Bernauer,
Holzplastik, 16. Jh.

Dichter und Dramatiker des 19. Jahrhunderts
Joseph August von Toerrings Vorbild blieb weiterhin wirksam. Carl Kluehne bearbeitete sein Drama, Carl Maria von Weber parodierte es in seinem Romanentwurf Tonkünstlers Leben. Erst 1821 wagte sich Julius Körner an eine eigenständige Bearbeitung des Bernauerstoffs, konnte damit aber seine Zeitgenossen nicht überzeugen.
Neben Sachtexten und Dramen wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Erzählungen über die Bernauerin veröffentlicht. Die meisten Autoren, die über die Bernauerin schrieben, versuchten sich aber weiterhin an Bühnenstücken: Der Schriftsteller Otto Ludwig entwarf bis 1864 sogar ein halbes Dutzend Stücke, die später Gegenstand mehrerer germanistischer Forschungsarbeiten wurden.
Die neben Toerrings Agnes Bernauerin erfolgreichste dramatische Umsetzung des Bernauerstoffs gelang schließlich 1852 Friedrich Hebbel. Hebbel zog für sein Deutsches Trauerspiel in fünf Akten außer Toerring auch Lipowskys Biografie, Falckensteins Vollständige Geschichten und die Augsburger Stadtgeschichte des älteren Paul von Stetten heran.
Hebbels Agnes Bernauer war von Anfang an umstritten, Aufführungen in Weimar und Stuttgart fanden aber beim Publikum großen Anklang, Agnes Bernauer wurde Schullektüre und noch im 20. Jahrhundert oft gespielt. Ein so dauerhafter Erfolg war keinem von Hebbels unmittelbaren Nachfolgern vergönnt.

Historiker des 19. Jahrhunderts
Nicht nur zahlreiche Dichter, auch viele Historiker setzten sich im 19. Jh. mit Agnes Bernauer auseinander. Sie beschränkten sich aber meist darauf, die kursierenden Bernauer-Legenden mehr oder weniger kritisch zusammenzufassen und um eigene Spekulationen zu ergänzen.
In den 1880er Jahren erschienen zwei immer noch grundlegende Arbeiten zu Agnes Bernauer, das Schulprogramm Agnes Bernauer in Geschichte und Dichtung von Gottfried Horchler und der Akademievortrag Agnes Bernauerin und die bairischen Herzoge von Sigmund Riezler.

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Agnes Bernauer (Porträt aus «Die Gartenlaube», 1873)

Dramatiker und Romanautoren des 20. Jahrhunderts
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Schicksal Agnes Bernauers zu einem beliebten Stoff für Laien- und Freilichtspiele, deren Veranstalter oft auf das 1894 von Martin Greif veröffentlichte Trauerspiel Agnes Bernauer, der Engel von Augsburg zurückgriffen. Greif sah zahlreiche Sprechrollen und eine große Zahl von Statisten vor und kam auch mit viel Kitsch und Pathos den Anforderungen dieser als besonders volkstümlich eingeschätzten Aufführungsformen entgegen. Greifs Agnes Bernauer wurde unter anderem 1973 für die Freilichtbühne in Ötigheim und 2001 für die Vohburger Agnes-Bernauer-Festspiele bearbeitet, die seitdem alle vier Jahre veranstaltet werden.
In Straubing kamen schon seit 1790 immer wieder Bernauerdramen zur Aufführung, darunter die Trauerspiele von Toerring, Meyr und Greif.
Nach 1945 schrieb der mit den bisherigen Bearbeitungen des Themas ebenfalls unzufriedene Komponist und Dramatiker Carl Orff seine eigene Bernauerin. Orffs 1947 uraufgeführtes Bairisches Stück bediente sich einer bairischen Kunstsprache; die Orchesterbegleitung war rhythmisch-impulsiv und forderte zahlreiche Schlag­instrumente. Die Bernauerin wurde 1958 für das Fernsehen verfilmt, 1980 zu einem Hörspiel verarbeitet und in Augsburg, München und Straubing im Freien aufgeführt. Die Agnes-Bernauer-Festspiele in Straubing, wo man gern ebenfalls die Orff’sche Bernauerin aufgeführt hätte, beauftragten 1994 Johannes Reimeier und Thomas Stammberger mit der Erstellung eines neuen Stücks.
Seit 1995 wird Agnes Bernauer. Ein Historienspiel in 15 Bildern wie zuvor Die Agnes Bernauerin zu Straubing alle vier Jahre im Innenhof des Straubinger Herzogsschlosses aufgeführt. Damit ist das Stück neben Orffs Bernauerin die einzige dramatische Bearbeitung des Agnes-Bernauer-Stoffs aus dem 20. Jahrhundert, die noch regelmäßig gespielt wird. Den Dramen von mehreren Autoren, u. a. Franz Xaver Kroetz, war dagegen kein dauerhafter Erfolg beschieden. Auch der Film Galante Liebesgeschichten – mit Brigitte Bardot als Agnes und Alain Delon als Albrecht – ist heute nur noch Liebhabern ein Begriff.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts versuchten viele Schriftsteller, die sich mit Agnes Bernauer befassten, in ihren Texten den Eindruck zu vermitteln, sie würden historische Ereignisse in irgendeiner Weise authentisch darstellen. Bei Julius Bernburgs 1924 erschienenem Agnes-Bernauer-Roman Agnes Bernauer, das Opfer treuer Liebe stand dann aber eindeutig der unterhaltende Aspekt im Vordergrund. Meixners Agnes Bernauer. Ein Leben voll Liebe und Leid erlebte 1949 in nur wenig veränderter Form eine Neuauflage, sonst wagte sich in der Nachkriegszeit aber zunächst kaum ein Romanautor an das Thema Agnes Bernauer. Erst in den 1990er Jahren erschienen mit Agnes Bernauer. Hexe, Hure, Herzogin von Manfred Böckl und Agnes Bernauer und ihr Herzog von Richard Wunderer wieder zwei relativ erfolgreiche belletristische Werke.

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Plakat für die Agnes-Bernauer-Festspiele 2007

Neuere Historiker und Theaterwissenschaftler
Das Schicksal der Bernauerin hatte bereits seit mehr als vier Jahrhunderten die Fantasie der verschiedensten Autoren angeregt, als 1880 mit Otto Brahms Aufsatz Das deutsche Ritterdrama des achtzehnten Jahrhunderts die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Produkten ihrer Vorstellungskraft begann. Brahm nahm die Dramen Toerrings genauer unter die Lupe, Julius Petri ging 1892 in seiner Dissertation Der Agnes-Bernauer-Stoff im deutschen Drama vor allem auf Otto Ludwig ein und Julius Sahr zeigte sich um die Jahrhundertwende begeistert von Martin Greifs Agnes Bernauer, der Engel von Augsburg.
Neben Hebbel und Otto Ludwig gerieten nach ihrer Wiederaufnahme 1952 auch die Straubinger Agnes-Bernauer-Festspiele in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Vor allem die Professoren der Universität Regensburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München vergaben immer wieder Diplom- und Magisterarbeiten zu diesem Thema. Zudem werden seit 1995 jeweils in den Festspieljahren Bücher veröffentlicht, die Agnes Bernauer oder die Straubinger Festspiele behandeln. Auf Schäfers Agnes Bernauer. Geschichte – Dichtung – Bild folgte 1999 das von Alfons Huber zusammengestellte Quellen- und Lesebuch Agnes Bernauer im Spiegel der Quellen, Chronisten, Historiker und Literaten und 2003 wiederum von Werner Schäfer Agnes Bernauer in Straubing. Das Festspiel – der Festspielverein, ein Überblick über die Geschichte des Festspielvereins und des Festspieltexts. Im bisher letzten Festspieljahr 2007 erschienen Agnes Bernauer. Die ermordete ‹Herzogin› von Marita Panzer und Agnes Bernauer Festspiele. Auf, hinter und rund um die Bühne von Ulli Scharrer.

Der Text ist entnommen aus: http://de.wikipedia.org