Главная страница «Первого сентября»Главная страница журнала «Немецкий язык»Содержание №24/2009

Sonderthema

Glossar

Naturalismus
1. Wirklichkeitstreue, naturgetreue Darstellung
2. Kunstrichtung in Literatur und Malerei in Europa gegen Ende des 19. Jhs.
3. In der Literatur: durch die Erkenntnisse in den Naturwissenschaften sowie an der Mi­lieutheorie H. Taines orientiert, werden v. a. auch im französischen Gesellschaftsroman (Brüder Goncourt, Zola ) tabui­sierte Themen dargestellt. Im Mittelpunkt steht die Kritik an den bestehenden politischen und allgemeinen Zuständen; so erzählen Werke des Naturalismus vorwiegend vom wirtschaftlichen und moralischen Elend der Arbeiter, Kleinbürger und von gesellschaftlich Geächteten. Im psychologischen Roman gab die russische Literatur wichtige Impulse (Dostojewski, Tolstoi), im Drama die Skandinavier Ibsen und Strindberg. Von herausragender Bedeutung ist das dramatische Werk G. Haupt­manns (u. a. Die Weber, 1892; Der Biberpelz, 1893).

 

Personen

Brahm, Otto Abraham (1856–1912)
Deutscher Theaterkritiker und Theaterleiter. Als Intendant des Lessingtheaters in Berlin einer der Wegbereiter des naturalistischen Dramas.

Dehmel, Richard (1863–1920)
Deutscher Schriftsteller, Vorläufer des Expressionismus. Sein Hauptwerk ist der Roman Zwei Menschen (1903), auch Dramen und Lyrik stammen aus seiner Feder.

Dostojewski, Fjodor Michailowitsch (1821–1881)
Russischer Dichter. 1849 zum Tode verurteilt und begnadigt. Aus seiner sibirischen Verbannung entstanden 1860–1862 die Aufzeichnungen aus einem Totenhaus. Seine religiös-philosophischen und von sozialen Fragen bestimmten Romane waren von bedeutendem Einfluss auf die Weltliteratur (u. a. Schuld und Sühne, Der Idiot u. a.).

Hauptmann, Gerhart (1862–1946)
Der Schriftsteller war mit seinen zahlreichen sozialkritischen Dramen der bedeutendste Vertreter des deutschen Naturalismus (Vor Sonnenaufgang, Die Ratten u. a.), er verfasste auch zahlreiche Romane und Novellen (Bahnwärter Thiel, 1892). Nobelpreis für Literatur 1912.

Hofmannsthal, Hugo von (1874–1929)
Österreichischer Dichter. Seine Novellen, Essays und Briefe sind Prosawerke der modernen Psychologie. Das Ästhetische gilt als letzte Instanz des Daseins, Schönheit und Tod sind vorherrschende Themen. Hofmannsthal wandte sich v. a. der antiken Tradition zu. Als Verfasser von Libretti für R. Strauss’ Opern schuf er eine neue Form des Musiktheaters (Der Rosenkavalier, 1911).

Ibsen, Henrik (1828–1906)
Norwegischer Dramatiker, der 20 Jahre in Deutschland lebte. Seine Ideendramen (Brand, Peer Gynt) und Gesellschaftsstücke (Stützen der Gesellschaft) waren von großem Einfluss auf den Naturalismus und das Drama des 20. Jhs. Weitere wichtige Werke: Nora oder Ein Puppenheim, Gespenster, Die Wildente, Hedda Gabler.

Liliencron, Detlev von (1844–1909)
Deutscher Dichter (eigentlich Friedrich Adolf Axel Freiherr von Liliencron). Er schrieb neben impressionistischer Lyrik und Novellen auch Dramen und Romane.

Mann, Thomas (1875–1955)
Deutscher Schriftsteller. Redakteur des «Simplicissimus». Schon sein erstes Buch Die Buddenbrooks (1901) machte ihn berühmt. Immer wiederkehrendes Thema bei Thomas Mann ist der gesellschaftliche und individuelle Zerfall (Der Tod in Venedig, Der Zauberberg, Doktor Faustus). 1929 erhielt Thomas Mann den Literatur­nobelpreis. Er lebt von 1933 bis 1939 im Exil in der Schweiz und wird 1936 vom Naziregime offiziell ausgebürgert. Von 1939 bis 1952 wohnt er in den USA, ab 1944 ist er amerikanischer Staatsbürger. 1949 unternimmt Thomas Mann eine Reise in das geteilte Deutschland und erhält den Goethe-Preis der Städte Frankfurt am Main und Weimar. Ab 1954 lebt er in Kilchberg bei Zürich, wo er am 12. August 1955 stirbt.

Nicolai, Christoph Friedrich (1733–1811)
Buchhändler, wichtiger Repräsentant der Berliner Aufklärung und bedeutendster Verleger von Aufklärungsliteratur. Enge Freundschaft mit Lessing und Moses Mendelssohn.

Rowohlt, Ernst (1887–1960)
Deutscher Verleger. Gründete 1908 in Leipzig einen Verlag, der 1913 von Kurt Wolff übernommen wurde. Neugründung 1919 in Berlin; Sitz der Rowohlt Verlags GmbH seit 1950 Hamburg, seit 1960 Reinbek; 1983 an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH verkauft. Rowohlt verlegte mit großer persönlicher Initiative zeitgenössische Belletristik (Kafka, Tucholsky, Musil u. a.) und seit 1950 die bekannte Taschenbuchreihe rororo.

Schlenther, Paul (1854–1916)
Berliner Theaterleiter und Schriftsteller. 1886–1898 Kritiker der «Vossischen Zeitung», 1898–1910 Direktor des Wiener Burgtheaters. Als Vertreter der Moderne begrüßt, von der Presse heftig kritisiert. Herausgeber der Werke Ibsens, Vorkämpfer für G. Hauptmann.

Schnitzler, Arthur (1862–1931)
Österreichischer Schriftsteller und Arzt. Wegen seiner subtilen Darstellungen des Wiener Fin de Siècle gilt er als literarisches Pendant zu Sigmund Freud. Sein erzählerisches Werk betonte (vor J. Joyce) den inneren Monolog (u. a. in den Novellen Leutnant Gustl, Fräulein Else). Weitere Werke u. a.: Reigen, Traumnovelle und die Autobiografie Jugend in Wien.

Tolstoi, Leo (1828–1910)
Eigentlich Graf Lew Nikolajewitsch Tolstoj. Seine literarische Tätigkeit begann mit einer autobiografischen Trilogie (Kindheit, Knabenjahre, Jünglingszeit), Vertreter des psychologischen Realismus mit anschaulicher und nuancenreicher Darstellung von Mensch, Natur und Gesellschaft. Charakteristisch für sein Erzählwerk ist v. a. die mehrschichtige Verbindung von zwei oder mehr ineinander verflochtenen Parallelhandlungen. Weltberühmt wurden sein Romane Krieg und Frieden (1869) und Anna Karenina (1877).

Zola, Émile (1840–1902)
Der französische Schriftsteller und Kunstkritiker war einer der wichtigsten Vertreter des europäischen Naturalismus. Im Mittelpunkt seines Hauptwerkes, des 20-teiligen Romanzyklus Die Rougon-Macquart – Geschichte einer Familie unter dem 2. Kaiserreich, steht die Frage nach der Rolle von Vererbung und Milieu im Leben des Menschen. Das Werk zeichnet ein umfassendes Bild der französischen Gesellschaft des 19. Jhs.